Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob sich die Community Classic+ wünscht. Die Frage ist, woran Blizzard tatsächlich arbeitet. Wir sortieren die stärksten Hinweise nach ihrer Beweiskraft und zeigen genauso klar, was sie noch nicht belegen.
Blizzard entwickelt nachweislich ein großes neues Projekt im ursprünglichen WoW-Designraum. Dass Project Camelot dazugehört und daraus Blizzards Antwort auf Classic+ wird, ist inzwischen plausibel. Offiziell bestätigt sind Name, Inhalt und Veröffentlichung aber weiterhin nicht.
Kein weiterer Wunschzettel, sondern ein Faktencheck
Was die Community unter Classic+ versteht, haben wir bereits in unserer großen Classic+-Wissensbasis erklärt. Auch die Frage nach einer möglichen Enthüllung auf der BlizzCon 2026 hat einen eigenen Beitrag.
Hier geht es um etwas anderes: Welche Spuren stammen direkt von Blizzard? Welche wurden durch Datamining gefunden? Und an welcher Stelle beginnt unsere Interpretation?
1 + Das offizielle Großprojekt
Blizzard arbeitet an seinem nächsten großen Projekt im ursprünglichen WoW-Designraum. Das ist keine Community-Theorie, sondern eine Aussage des Classic-Teams.
2 + Project Camelot
Dataminer fanden einen internen WoW-Zweig mit dem Codenamen Camelot, der mit Version 1.60 und mehreren Produkteditionen verbunden wird.
3 + Der Creator-Termin
Mehrere bekannte Classic-Creator besuchten gemeinsam den Blizzard-Campus. Was dort gezeigt oder besprochen wurde, ist nicht öffentlich.
4 + Das BlizzCon-Fenster
Blizzard hat mehr für Classic angedeutet und spricht auf der BlizzCon über die Zukunft von Warcraft. Eine Camelot-Enthüllung steht bisher in keinem Programm.
Das stärkste Signal kommt direkt von Blizzard
Am 27. Mai 2025 erklärte das WoW-Classic-Team, die aktive Entwicklung von Season of Discovery zu verlangsamen und mit dem nächsten großen Projekt im ursprünglichen WoW-Designraum zu beginnen. Noch wichtiger ist der Kontext dieser Aussage: Blizzard sprach von großen Ambitionen für neue Inhalte in der ursprünglichen Welt von Azeroth und von der langfristigen Zukunft von WoW Classic.
Damit steht der wichtigste Teil der Beweiskette fest. Blizzard baut nicht einfach nur den nächsten bekannten Erweiterungsserver. Das Team arbeitet an etwas Neuem, das auf den Erfahrungen aus Season of Discovery aufbaut.
Was daraus noch nicht folgt: Blizzard hat weder einen dauerhaften Vanilla-Zweig noch neue Level-60-Gebiete oder den Namen Classic+ bestätigt. Die offizielle Aussage grenzt das Spielfeld deutlich ein. Sie verrät aber noch nicht, wo genau der Ball landet.
Season of Discovery war die Entwicklungsprobe
Wir müssen an dieser Stelle nicht noch einmal jede Rune und jeden umgebauten Schlachtzug aufzählen. Der neue Erkenntniswert liegt woanders: Blizzard hat mit Season of Discovery nicht nur Inhalte getestet, sondern einen kompletten Arbeitsprozess.
Das Team konnte ausprobieren, wie neue Klassenideen in der alten Welt angenommen werden, wie sich unfertige Orte ergänzen lassen und wie viel Veränderung das Classic-Gefühl verträgt. Anschließend wurden Ressourcen von der Saison in das nächste Großprojekt verschoben. Das ist ein deutlich stärkerer Zusammenhang als die bloße Aussage, Season of Discovery habe sich schon ein wenig wie Classic+ angefühlt.
Unsere Lesart: Season of Discovery war kein Beweis für Classic+. Sie war der praktische Vorlauf, aus dem Blizzard jetzt ein größeres und langfristigeres Projekt entwickeln kann.
Project Camelot macht die Spur technisch greifbar
Im Juni 2026 berichtete Wowhead über Einträge für World of Warcraft Camelot. Der Codename wird dort mit einer internen Version 1.60 in Verbindung gebracht, die bereits seit Oktober 2025 beobachtet worden sein soll. Zusätzlich tauchten Bezeichnungen für eine Heroic Edition und eine Epic Edition auf.
Das ist wichtig, weil sich damit mehrere technische Spuren unter einem Projektnamen bündeln. Ein eigener Zweig kann einem Entwicklungsteam mehr Freiheit geben als Änderungen innerhalb einer gemeinsam genutzten Classic-Version. Mehrere Editionen lassen außerdem vermuten, dass Blizzard Camelot als größere Veröffentlichung vorbereitet und nicht nur als kleinen Inhalts-Patch.
Aber auch hier gilt: Datamining zeigt vorhandene Einträge, nicht das fertige Produkt. Versionsnummern können interne Zwecke erfüllen. Editionen können sich ändern oder nie veröffentlicht werden. Und ein Codename verrät weder das endgültige Spielkonzept noch den Namen, der später auf der Verpackung steht.
| Hinweis | Was er wirklich belegt | Was offen bleibt |
|---|---|---|
| Blizzards Projekt-Aussage | Ein großes neues Classic-Projekt in der ursprünglichen WoW-Designwelt wird entwickelt. | Endgültiger Name, Umfang und Release-Modell. |
| Camelot + Version 1.60 | Auf Blizzards Systemen existieren technische Spuren eines unangekündigten WoW-Projekts. | Ob Camelot das offizielle Großprojekt und tatsächlich Classic+ ist. |
| Heroic + Epic Edition | Für Camelot wurden mehrere Produktvarianten hinterlegt. | Preis, Inhalt und ob die Einträge final sind. |
| Creator-Besuch | Mehrere Classic-Creator waren zeitgleich bei Blizzard. | Thema, Zweck und Inhalt des Treffens. |
Creator-Termin + BlizzCon verstärken das Bild
Im Mai 2026 waren unter anderem Xaryu, Esfand, Guzu, Savix und sodapoppin bei Blizzard in Irvine. Die bekannten Namen haben einen klaren Bezug zu WoW Classic. Öffentlich gesagt haben sie nicht, worum es bei dem Termin ging.
Der Besuch ist deshalb kein eigenständiger Beweis für Classic+. Er wird erst im Zusammenspiel interessant: Blizzard arbeitet an einem großen Classic-Projekt, ein unangekündigter technischer Zweig taucht auf und kurz vor der BlizzCon versammelt das Unternehmen passende Creator am selben Ort.
Dazu kommt der „State of Azeroth“ vom Januar 2026. Blizzard stellte dort die bekannten Classic-Pläne vor und deutete an, dass Classic-Spieler weltweit noch mehr zu erwarten haben. Die BlizzCon findet am 12. + 13. September 2026 statt und soll einen Blick auf die kommenden Warcraft-Jahre geben.
Das macht Anaheim zum logischsten Termin für eine Enthüllung. Es macht die Enthüllung nicht offiziell.
Was wir bewusst nicht als Beweis zählen
Eine gute These wird nicht stärker, wenn man jeden Zufall auf sie stapelt. Deshalb lassen wir drei oft genannte Punkte aus unserer eigentlichen Beweiskette heraus:
- Pluszeichen in Grafiken: Das kann ein Augenzwinkern sein. Ohne klare Aussage bleibt es Dekoration.
- Rechtliche Schritte gegen Privatserver: Blizzard schützt seine Marke unabhängig davon, welches Produkt als Nächstes erscheint.
- Die große Nachfrage der Community: Sie erklärt, warum Classic+ sinnvoll wäre. Sie beweist nicht, dass Blizzard genau dieses Spiel veröffentlicht.
Diese Trennung ist uns wichtig. Wer jede Kleinigkeit als Bestätigung verkauft, erzeugt kurzfristig Hype. Wer die Hinweise gewichtet, schafft langfristig Vertrauen.
Der stärkste Gegenentwurf
Die realistischste Alternative ist kein völlig anderes Warcraft-Spiel. Es wäre ein neues saisonales Classic-Projekt, das Ideen aus Season of Discovery übernimmt, größer vermarktet wird und nach einigen Monaten trotzdem endet. Auch ein stärker modernisiertes „Classic Reforged“ wäre denkbar.
Beides würde viele der bekannten Hinweise erklären. Genau deshalb können wir noch nicht behaupten, Camelot werde die dauerhafte alternative Zeitlinie, die sich viele Spieler unter Classic+ vorstellen.
Gegen eine kleine Saison spricht allerdings die Summe aus langfristiger Ausrichtung, eigenem technischen Zweig und mehreren Produkteditionen. Je stärker Blizzard das Projekt vom bestehenden Classic trennt, desto näher rückt es an die Idee eines eigenständigen Classic+.
Vier Antworten würden aus der These eine Bestätigung machen
- Blizzard benennt das Projekt. Erst dann wissen wir, ob Camelot tatsächlich dazugehört.
- Blizzard erklärt die Welt. Neue Inhalte im ursprünglichen Azeroth wären das zentrale Classic+-Signal.
- Blizzard klärt die Laufzeit. Eine dauerhafte Welt ist etwas anderes als die nächste Saison.
- Blizzard zeigt das Modell. Editionen, Abonnement, möglicher Kaufpreis und Testphase müssen eingeordnet werden.
Unser Fazit: Darum glauben wir an Classic+
Sicher: Blizzard entwickelt ein großes neues Projekt im ursprünglichen WoW-Designraum. Gut dokumentiert: Camelot, Version 1.60 und mehrere Editionen existieren als technische Spuren. Plausibel: Beides gehört zusammen und führt zu einer neuen Form von Classic. Offen: Ob Blizzard dieses Ergebnis Classic+ nennt und wie dauerhaft es wird.
Wir glauben also nicht an Classic+, weil ein einzelner Leak gut klingt. Wir glauben daran, weil eine offizielle Entwicklungsrichtung und mehrere unabhängige Begleitsignale dasselbe Bild zeichnen.
Der vorsichtige Satz lautet: Blizzard arbeitet an einem großen neuen Classic-Projekt.
Unsere redaktionelle Schlussfolgerung lautet: Project Camelot ist sehr wahrscheinlich der nächste große Schritt für WoW Classic und könnte genau die alternative Zukunft werden, die die Community seit Jahren Classic+ nennt.
Bis Blizzard die fehlenden Antworten liefert, bleibt das eine begründete Einschätzung. Aber sie war noch nie so gut belegt wie heute.
Quellen + aktueller Stand
Letzte inhaltliche Prüfung: 21. Juli 2026. Offizielle Aussagen, Datamining und unsere Schlussfolgerungen sind im Beitrag bewusst getrennt. Wir aktualisieren den Artikel, sobald Blizzard Project Camelot oder ein anderes neues Classic-Projekt vorstellt.
- Blizzard: Update des WoW-Classic-Teams vom 27. Mai 2025
- Blizzard: State of Azeroth 2026 im Rückblick
- Blizzard: Offizielle Informationen zur BlizzCon 2026
- Wowhead: Datamining zu Project Camelot, Version 1.60 und den Editionen
- Wowhead: Bericht über den Besuch der Classic-Creator bei Blizzard
Du möchtest tiefer einsteigen? Hier findest du unsere komplette Classic+-Wissensbasis.