Wie soll WoW Classic+ eigentlich aussehen? Eine internationale Community-Initiative versucht genau diese Frage nicht mit der nächsten Wunschliste, sondern mit Daten zu beantworten. Mehr als 250.000 Einsendungen über Umfragen und Spielideen zeigen inzwischen erstaunlich klar, worauf sich viele Classic-Spieler einigen können + und wo die Gemeinschaft auseinandergeht.
Kurz zusammengefasst
- 97,0 Prozent unterstützen neue Raids in irgendeiner Form.
- 92,3 Prozent sprechen sich für Dual Spec aus.
- 92,2 Prozent wünschen sich neue Levelinhalte wie Quests, Gebiete und Dungeons.
- 80,6 Prozent lehnen Flugreittiere ab.
- Wichtig: Die Zahl von 250.000 bezeichnet Einsendungen über mehrere Umfragen und Ideenbereiche. Sie steht nicht automatisch für 250.000 unterschiedliche Personen.
Was hinter dem Classic+ Project steckt
Der englischsprachige Content Creator Joardee hat mit wowclassic.plus eine Plattform geschaffen, auf der Spieler ihre Vorstellungen von Classic+ systematisch eintragen können. Gemeinsam mit OnlyBlacksmoke entstand daraus weit mehr als eine einzelne Abstimmung.
Die Seite verbindet ausführliche Umfragen mit einer Ideenkarte, einem Systembuch und Bereichen für eigene Vorschläge. Spieler stimmen dort nicht nur über Dual Spec oder Raidgrößen ab. Sie können auch neue Zonen, Questreihen, Dungeons, Klassenänderungen und Weltereignisse vorschlagen und bewerten.
Nach dem öffentlich kommunizierten Stand vom 28. Mai 2026 wurden über alle Bereiche hinweg mehr als 250.000 Einsendungen gesammelt. Das macht das Projekt zu einer der größten strukturierten Bestandsaufnahmen dessen, was engagierte Classic-Spieler unter einer möglichen Weiterentwicklung verstehen.
250.000 Einsendungen sind nicht 250.000 Spieler
Die große Zahl klingt gewaltig. Für eine saubere Einordnung müssen wir aber genau bleiben. Das Projekt zählt Einsendungen aus mehreren Umfragen und Ideenbereichen. Eine Person kann daher an verschiedenen Abstimmungen teilnehmen oder mehrere Vorschläge bewerten.
Eine frühe öffentlich diskutierte Auswertung beruhte beispielsweise auf 36.340 Antworten der Einstiegsumfrage. Die später genannte Marke von 250.000 umfasst dagegen die gesamte Beteiligung innerhalb des Projekts. Beides sind starke Signale für Interesse, aber keine repräsentative Bevölkerungsumfrage und kein Beleg für eine bestimmte Zahl aktiver Abonnenten.
Unsere Einordnung
Die Daten beantworten nicht, was Blizzard entwickeln wird. Sie zeigen aber deutlich, welche Richtung ein großer Teil der besonders engagierten internationalen Classic-Community bevorzugt. Genau dafür sind sie wertvoll.
Der größte Konsens: mehr Azeroth
Das stärkste Ergebnis ist nicht der Wunsch nach einem modernen Komfortsystem. Die Community möchte vor allem mehr von der Welt, wegen der sie Classic überhaupt spielt.
- 97,0 Prozent unterstützen neue Raids in irgendeiner Form.
- 92,2 Prozent wollen neue Levelinhalte mit Quests, kleineren Gebieten und Dungeons.
- 83,5 Prozent sprechen sich für vollständig neue Zonen aus.
- 84,7 Prozent wünschen sich epische Questreihen im Stil von Rhok’delar oder dem Szepter der Sandstürme.
- 91,0 Prozent möchten, dass Berufe im Endgame relevant bleiben.
Die meistbewerteten Ideen folgen demselben Muster. Hyjal als hochstufiges Gebiet, ein Weltereignis rund um Dalaran, die Krypten von Karazhan, Grim Batol, Uldum, Gilneas und eine Scharlachrote Enklave bauen auf Orten auf, die schon lange Teil der Welt oder ihrer offenen Geschichten sind.
Classic+ wird in diesen Ergebnissen nicht als Flucht aus Azeroth gedacht. Es soll Azeroth weiterführen.
Komfort ja + aber ohne die Welt abzuschaffen
Die Umfrage widerlegt gleichzeitig die Vorstellung, Classic-Spieler würden jede Veränderung grundsätzlich ablehnen. Viele Komfortfunktionen erhalten deutliche Zustimmung, solange sie Reibung reduzieren, ohne Reisen, Begegnungen und die Bedeutung der Welt zu entfernen.
- 92,3 Prozent unterstützen Dual Spec.
- 86,1 Prozent wünschen sich Gildenbanken.
- 73,8 Prozent befürworten Beschwörungssteine vor Dungeons und Raids.
- 72,3 Prozent sprechen sich für Erfolge aus.
- 67,5 Prozent wollen eine Gruppensuche, bei der Spieler weiterhin selbst zum Dungeon reisen.
Gerade die Gruppensuche zeigt die Linie gut. Nur 12,7 Prozent bevorzugen die moderne Variante mit automatischer Teleportation. Die Mehrheit möchte Hilfe bei der Gruppenbildung, aber keinen Knopf, der den Weg und die Begegnungen dazwischen überspringt.
Klassen dürfen besser werden, aber nicht beliebig
Auch bei Klassen und Fraktionen ist die Community offener, als das klassische Bewahrer-gegen-Veränderer-Bild vermuten lässt. In einer frühen Zusammenfassung befürworteten rund 93 Prozent eine Überarbeitung von Klassen in irgendeiner Form. Wie weit diese Eingriffe gehen sollen, bleibt allerdings umstritten.
- 72,4 Prozent unterstützen loregerechte neue Kombinationen aus Volk und Klasse.
- 70,5 Prozent befürworten Paladine für die Horde und Schamanen für die Allianz.
- 66,8 Prozent wünschen sich neue spielbare Völker, die bereits in Azeroths Lore vorkommen.
- Neue Klassen spalten die Teilnehmer fast mittig: 41,7 Prozent lehnen sie ab, 48,0 Prozent möchten sie in irgendeiner Form.
Der Wunsch lautet also nicht automatisch: Macht aus Vanilla ein anderes Spiel. Viele Spieler möchten brachliegende Spezialisierungen stärken und neue Möglichkeiten öffnen, ohne Klassenidentitäten glattzubügeln.
40 Spieler sind keine heilige Zahl mehr
Ein weiteres deutliches Signal betrifft die Organisation von Raids. 70,7 Prozent möchten sich von einer starren Anforderung mit 40 Plätzen lösen und bevorzugen kleinere notwendige Größen mit mehr Flexibilität.
Das ist keine Absage an große Schlachtzüge. Es ist eine Reaktion auf den Aufwand, den Gilden im Jahr 2026 für einen stabilen Kader betreiben müssen. Die Community möchte epische Raids, aber weniger Abende, die bereits an der Anwesenheitsliste scheitern.
Hier zieht die Community klare Grenzen
Einige Systeme werden nicht nur vorsichtig betrachtet, sondern deutlich abgelehnt. Besonders Features, die die Welt verkleinern oder die soziale und wirtschaftliche Struktur beschädigen, schneiden schlecht ab.
- 80,6 Prozent lehnen Flugreittiere ab.
- 72,1 Prozent möchten World Buffs aus Raids entfernen oder vollständig abschaffen.
- 56,0 Prozent lehnen GDKP-Runs ab, 22,9 Prozent sind dafür.
- 51,3 Prozent lehnen Transmog ab, 27,7 Prozent sprechen sich dafür aus.
- 85,5 Prozent wollen die Stufengrenze nicht früh über Level 60 anheben.
Das gemeinsame Muster ist deutlich: Neues darf hinzukommen. Der Kern aus Welt, Reise, sozialer Abhängigkeit und Wiedererkennbarkeit soll aber nicht gegen spätere WoW-Konventionen eingetauscht werden.
Was die Ergebnisse nicht beweisen
So spannend die Zahlen sind, sie brauchen Grenzen. Wer die Ergebnisse als Auftrag der gesamten WoW-Spielerschaft verkauft, macht aus einer wertvollen Datensammlung mehr, als sie leisten kann.
- Die Teilnehmer haben sich selbst für die Umfrage entschieden.
- Europa und Nordamerika stellen zusammen mehr als 95 Prozent der erfassten Antworten.
- Die Befragten sind überdurchschnittlich erfahren und engagiert.
- 250.000 Einsendungen bedeuten nicht automatisch 250.000 einzigartige Personen.
- Blizzard hat weder eine Beteiligung am Projekt noch eine Bindung an dessen Ergebnisse erklärt.
Die Daten sind deshalb kein Wahlprogramm für Blizzard. Sie sind ein außergewöhnlich großes Stimmungsbild aus genau jener Gruppe, die sich schon heute intensiv mit Classic+ beschäftigt.
Was wir für die deutsche Classic+ Community mitnehmen
Unsere wichtigste Erkenntnis steckt nicht in einer einzelnen Prozentzahl. Die Teilnehmer suchen einen Mittelweg: mehr Inhalte, mehr funktionierende Spielweisen und etwas weniger organisatorische Reibung + aber weiterhin eine Welt, in der Wege, Begegnungen und Entscheidungen Gewicht haben.
Das ergänzt unseren bisherigen Blick auf die Wünsche der deutschen Community. International wie deutschsprachig dreht sich die Debatte weniger um ein festes Feature-Paket als um eine Designfrage: Wie entwickelt man Classic weiter, ohne genau das zu verlieren, was Classic besonders macht?
Auch Blizzards wachsendes Classic-Team und die neue langfristige Rolle von WoW-Classic-Entwickler Josh „Aggrend“ Greenfield machen diese Frage relevant. Sie belegen nicht, dass Blizzard die Community-Ergebnisse übernimmt. Sie zeigen aber, dass neue Inhalte, Quests, Systeme und Erzählungen innerhalb des Classic-Teams keine reine Fanidee mehr sind.
Unser Fazit
Die Community will kein Museum und keinen verkleideten Retail-Ableger. Sie will ein weitergeschriebenes Azeroth: neue Abenteuer im alten Designraum, sinnvolle Verbesserungen und klare Grenzen dort, wo Komfort die Welt kleiner machen würde.
Häufige Fragen zur Classic+ Umfrage
Ist WoW Classic+ offiziell bestätigt?
Nein. Blizzard hat bisher keinen Spielmodus unter dem Namen Classic+ angekündigt. Der Begriff beschreibt weiterhin ein Community-Konzept ohne feste offizielle Definition.
Haben 250.000 Spieler an einer einzigen Umfrage teilgenommen?
Nein. Die Zahl bezeichnet Einsendungen über mehrere Umfragen, Abstimmungen und Ideenbereiche des Classic+ Project. Sie darf nicht mit 250.000 unterschiedlichen Personen gleichgesetzt werden.
Was wünschen sich die Teilnehmer am häufigsten?
Besonders deutlich ist der Wunsch nach neuen Raids, neuen Levelinhalten, relevanten Berufen, Dual Spec und weiteren Abenteuern in Azeroth. Flugreittiere, Transmog und GDKP erhalten deutlich weniger Zustimmung.
Ist die Umfrage repräsentativ?
Nein. Es handelt sich um eine offene internationale Community-Befragung mit selbst ausgewählten und überdurchschnittlich engagierten Teilnehmern. Sie ist ein starkes Stimmungsbild, aber keine repräsentative Messung aller WoW-Spieler.
Nutzt Blizzard diese Ergebnisse?
Dafür gibt es bislang keine offizielle Bestätigung. Das Projekt wurde unabhängig aus der Community heraus aufgebaut.
Quellen
- The Classic+ Project: Umfragen, Ergebnisse und Community-Ideen.
- MMORPG.com: ausführliche Auswertung der veröffentlichten Daten und Methodik.
- MMOHuts: Bericht zur Marke von mehr als 250.000 Einsendungen.
- r/classicwow: frühe Zusammenfassung auf Basis von 36.340 Antworten.