Zum Inhalt springen
Classic+ Radar Unabhängig · Deutschsprachig · Klar eingeordnet
Deutschlands Classic+ Hub News, Fakten und Gerüchte. Klar gekennzeichnet und nachvollziehbar eingeordnet.
Community

Was sich die deutsche Community von Classic+ wünscht

Neue Gebiete, bessere Klassen und trotzdem echtes Classic: Das sind die häufigsten Wünsche der deutschen Community an WoW Classic+.

Nicht unverändert, aber auch nicht Retail

Wenn in der deutschen WoW-Community über Classic+ gesprochen wird, entsteht schnell der Eindruck, jeder Spieler würde sich eine andere Version wünschen.

Das stimmt teilweise.

Für manche bedeutet Classic+ neue Schlachtzüge nach Naxxramas.

Andere wünschen sich überarbeitete Klassen, neue Völker, zusätzliche Quests oder ein komplett alternatives Azeroth.

Einige Spieler möchten kaum Änderungen am Gameplay, während andere viele Funktionen aus späteren Erweiterungen vermissen.

Trotzdem wiederholen sich bestimmte Wünsche auffällig häufig.

Für diesen Beitrag haben wir deutschsprachige Diskussionen im offiziellen WoW-Forum qualitativ ausgewertet und mit internationalen Community-Debatten verglichen.

Das Ergebnis ist keine repräsentative Umfrage aller deutschen Spieler.

Es zeigt jedoch deutlich, welche Themen immer wieder auftauchen und an welchen Punkten die Meinungen auseinandergehen.

1. Neue Inhalte in der alten Welt

Der häufigste Wunsch ist gleichzeitig der Kern von Classic+:

Die Community möchte neue Inhalte erleben, ohne das ursprüngliche Azeroth gegen die nächste Erweiterung einzutauschen.

Viele Spieler haben die bekannten Questgebiete, Dungeons und Schlachtzüge inzwischen mehrfach durchlaufen.

Ein weiterer Fresh-Start kann kurzfristig begeistern, löst aber nicht das Problem, dass der Weg am Ende wieder zu denselben Gegnern führt.

In deutschsprachigen Diskussionen werden neue Gebiete, Dungeons und Geschichten deshalb häufig als Pflichtbestandteil bezeichnet.

Besonders wichtig ist dabei, dass die Inhalte stilistisch zur alten Welt passen und nicht wie nachträglich importierte Retail-Zonen wirken.

Quelle: Deutsches WoW-Forum: Classic+ Eine Umfrage

Gewünscht wird eine Weitererzählung von Vanilla, keine beschleunigte Reise zurück nach Naxxramas.

2. Unfertige Orte endlich ausbauen

Das ursprüngliche Azeroth enthält zahlreiche Orte, die nach unfertigen Ideen aussehen oder später in anderer Form verwendet wurden.

Dazu zählen beispielsweise:

  • das Gebiet hinter dem Greymane-Wall
  • Hyjal
  • die Krypten von Karazhan
  • Teile der Azshara-Questlinien
  • ungenutzte Höhlen und Instanzeingänge
  • offene Geschichten rund um den Scharlachroten Kreuzzug
  • weitere Inhalte für Furbolgs, Trolle und Goblins
  • bisher kaum verwendete Bereiche bestehender Hauptstädte

Season of Discovery hat mit den Krypten von Karazhan und der Scharlachroten Enklave gezeigt, wie bekannte Schauplätze erweitert werden können, ohne die gesamte Welt neu zu bauen.

Für Classic+ wünscht sich die Community jedoch mehr als umgebaute alte Dungeons.

Neue Orte sollen sich anfühlen, als hätten sie bereits 2004 zu Azeroth gehört und seien nur bisher nicht zugänglich gewesen.

3. Klassen verbessern, aber nicht vereinheitlichen

Das Vanilla-Klassendesign besitzt klare Stärken und klare Probleme.

Krieger dominieren in vielen Bereichen den Schaden.

Schutz-Paladine sind in ihrer Rolle als Tank noch nicht vollständig ausgereift.

Vergelter-Paladine, Gleichgewichts-Druiden und Verstärker-Schamanen stoßen im Endspiel schnell an Grenzen.

Gleichzeitig entstehen durch diese Unterschiede starke Klassenidentitäten.

Die deutsche Community wünscht sich deshalb meistens kein perfektes mathematisches Gleichgewicht.

Spezialisierungen sollen sinnvoll spielbar sein, ohne ihre Eigenheiten zu verlieren.

In einer deutschsprachigen Diskussion wurde dieser Wunsch passend zusammengefasst:

Alle Spezialisierungen sollten grundsätzlich gut funktionieren, ein vollständig exaktes Balancing sei jedoch nicht notwendig, da Klassen weiterhin eigene Stärken und Schwächen besitzen sollen.

Genau hier liegt eine der schwierigsten Aufgaben für Blizzard.

Wer zu wenig verändert, erhält die bekannten Probleme.

Wer zu viel verändert, landet bei Klassen, die sich zunehmend ähnlich spielen.

4. Keine neue Leihmacht wie das Runensystem

Das Runensystem aus Season of Discovery hat viele Spezialisierungen erst spielbar gemacht.

Gleichzeitig wurde das System mit jeder Phase umfangreicher.

Ein Teil der Community liebte diese Freiheit.

Andere empfanden die spätere Menge an Fähigkeiten, Effekten und Kombinationen als überladen.

Besonders die erste Season-of-Discovery-Phase wird in deutschen Diskussionen häufig positiv erwähnt.

Die Klassen fühlten sich flüssiger an, ohne sich bereits vollständig vom bekannten Classic zu entfernen.

In späteren Phasen wurde diese Grenze für einige Spieler überschritten.

Für Classic+ dürfte daher ein dauerhafter Klassenumbau besser funktionieren als ein zusätzlich aufgesetztes Machtsystem.

Statt jede Brustplatte oder jeden Helm mit einer weiteren Fähigkeit zu versehen, könnten Talente, Grundfähigkeiten und Gegenstände vorsichtig überarbeitet werden.

5. Das Leveln muss ein wichtiger Teil des Spiels bleiben

Classic beginnt nicht erst auf der maximalen Stufe.

Für viele Spieler ist die langsame Reise durch Azeroth der eigentliche Grund, warum sich Classic anders anfühlt.

Ausrüstung während des Levelns besitzt einen Wert.

Berufe helfen bei der Charakterentwicklung.

Gruppenquests bringen Spieler zusammen.

Lange Wege sorgen dafür, dass die Welt größer wirkt.

In deutschsprachigen Diskussionen wird deshalb häufig davor gewarnt, die Levelphase durch starke Erfahrungsboni oder zu schnelle Progression zu entwerten.

Neue Quests sollten nicht nur für Stufe 60 entstehen.

Classic+ braucht nach dieser Vorstellung auch zusätzliche Inhalte zwischen Stufe 1 und 59.

Ein neuer Dungeon auf Stufe 38 kann für die Welt genauso wertvoll sein wie ein neuer Schlachtzug.

6. Alte Inhalte dürfen nicht sofort wertlos werden

Viele Classic+ Spieler wünschen sich eine horizontale oder zumindest flachere Weiterentwicklung.

Ein neuer Schlachtzug sollte Geschmolzener Kern, Pechschwingenhort und Ahn’Qiraj nicht über Nacht vollständig überflüssig machen.

Statt immer höhere Gegenstandsstufen zu verteilen, könnte Blizzard neue Ausrüstung mit besonderen Effekten, alternativen Attributen oder spezialisierungsabhängigen Vorteilen einsetzen.

Die Vorstellung dahinter lautet:

Mehr Möglichkeiten statt eines vollständigen Neustarts jeder Saison.

Dieser Punkt wird häufig als wesentlicher Unterschied zwischen Classic+ und der späteren Erweiterungsstruktur beschrieben.

Neue Inhalte sollen die bestehende Welt ergänzen und nicht sämtliche bisherigen Ziele ersetzen.

7. Komfortfunktionen mit klaren Grenzen

Die deutsche Community lehnt nicht jede Komfortfunktion automatisch ab.

Viele Spieler können sich Systeme vorstellen, die unnötige Reibung reduzieren, ohne die Welt zu entwerten.

Dazu gehören häufig:

  • duale Talentspezialisierung
  • eine Gruppensuche ohne automatische Teleportation
  • leichter zugängliche Post zwischen eigenen Charakteren
  • zusätzliche Bankplätze
  • übersichtlichere Auktionshaus-Funktionen
  • kontrollierte Beschwörungssteine
  • bessere Verwaltung größerer Gilden
  • technische Verbesserungen für große Server

Entscheidend ist, dass Spieler weiterhin selbst zu Dungeons reisen, miteinander kommunizieren und auf ihre Umgebung angewiesen bleiben.

Ein automatischer Dungeonfinder mit sofortiger Teleportation würde für viele Spieler zu weit gehen.

Ein einfaches schwarzes Brett zur Gruppensuche könnte dagegen akzeptiert werden.

8. Keine Flugreittiere im alten Azeroth

Flugreittiere verändern die Wahrnehmung einer Spielwelt grundlegend.

Gefahren, Wege, feindliche Spieler und natürliche Hindernisse verlieren an Bedeutung, wenn jeder Ort aus der Luft direkt erreicht werden kann.

Deshalb gehört der Verzicht auf Flugreittiere zu den stabilsten internationalen und deutschsprachigen Classic+ Positionen.

Neue Gebiete sollten zu Fuß oder mit Bodenreittieren erkundet werden.

Flugpunkte dürfen Wege verkürzen, sollten die Welt aber nicht vollständig überspringbar machen.

9. Kein WoW-Token und möglichst wenige Shop-Eingriffe

Der WoW-Token wird in Classic-Diskussionen regelmäßig abgelehnt.

Auch in deutschen Community-Beiträgen findet sich eine klare Skepsis.

Die Sorge betrifft nicht nur den direkten Kauf von Gold.

Viele Spieler befürchten, dass zusätzliche Verkaufseditionen, Charakteraufwertungen, Shop-Reittiere oder Frühzugänge die soziale und wirtschaftliche Struktur eines neuen Classic+ Servers beschädigen könnten.

Gerade die bei Project Camelot gefundenen Heroic- und Epic-Bezeichnungen werden deshalb kritisch beobachtet.

Sollte Blizzard verschiedene Pakete anbieten, wird entscheidend sein, welche Vorteile darin enthalten sind.

Kosmetische Extras werden wahrscheinlich anders bewertet als Gold, Ausrüstung oder mehrere Tage Frühzugang.

10. Bots, Goldhandel und GDKP müssen früh bedacht werden

Ein gutes Classic+ benötigt nicht nur neue Inhalte, sondern auch funktionierende Serverökonomien.

Bots, Echtgeldhandel und illegale Goldverkäufe können die Preise bereits in den ersten Wochen stark beeinflussen.

GDKP-Gruppen werden ebenfalls kontrovers diskutiert, weil sie einerseits organisierte Raids ermöglichen, andererseits aber die Nachfrage nach gekauftem Gold verstärken können.

Viele Spieler erwarten deshalb keine spätere Notlösung, sondern ein System, das von Beginn an auf Missbrauch vorbereitet ist.

Dazu gehören schnelle Bannwellen, technische Erkennung, ausreichender Kundendienst und nachvollziehbare Regeln.

11. Keine unnötige Aufteilung der Spieler

WoW Classic bietet mittlerweile zahlreiche parallele Versionen.

Classic Era, Hardcore, Season of Discovery, Anniversary-Realms, Burning Crusade Anniversary und Mists of Pandaria Classic sprechen unterschiedliche Zielgruppen an.

Ein weiteres Projekt erhöht das Risiko, die Community auf zu viele kleine Serverpopulationen zu verteilen.

Für Classic+ wird daher eine klare und langfristige Realm-Strategie benötigt.

Die Spieler müssen früh wissen:

  • Sind die Realms dauerhaft?
  • Gibt es regelmäßige Neustarts?
  • Werden Server später zusammengelegt?
  • Gibt es PvP-, PvE- und Rollenspiel-Realms?
  • Werden Charaktertransfers möglich sein?
  • Was geschieht bei stark sinkender Bevölkerung?
  • Bleibt das Projekt bei Stufe 60?

Ohne klare Antworten könnten Spieler zögern, erneut Hunderte Stunden in einen Charakter zu investieren.

12. Eine verständliche Roadmap

Season of Discovery zeigte, wie stark fehlende Planungssicherheit die Stimmung beeinflussen kann.

Überraschungen gehören zu einem Projekt, das Entdeckungen im Namen trägt.

Für ein dauerhaftes Classic+ benötigen Gilden und Spieler trotzdem eine grobe Vorstellung davon, wie lange Phasen dauern und welches langfristige Ziel verfolgt wird.

Die Community muss nicht jeden Boss und jedes Gebiet Monate im Voraus kennen.

Sie sollte aber wissen, ob sie eine Saison, einen zweijährigen Zyklus oder eine dauerhaft weiterentwickelte Welt betritt.

Was die deutsche Community wahrscheinlich nicht möchte

Die Diskussion lässt sich nicht auf ein allgemeines „Keine Änderungen“ reduzieren.

Die häufigste Position liegt zwischen zwei Extremen:

Die Spieler möchten nicht noch einmal exakt dasselbe Vanilla spielen.

Sie möchten aber auch kein Retail-WoW mit alten Grafiken.

Besonders kritisch werden folgende Entwicklungen gesehen:

  • vollständig vereinheitlichte Klassen
  • stark beschleunigtes Leveln
  • automatische Teleportation zu Gruppeninhalten
  • Flugreittiere
  • häufige Itemlevel-Neustarts
  • übermäßige Shop-Angebote
  • kurzfristige Saisonserver ohne Perspektive
  • eine zu große Zahl zusätzlicher Fähigkeiten
  • neue Systeme, die nach einer Phase wieder entfernt werden

Unser Fazit

Die deutsche Community sucht kein unverändertes Museum und kein modernes WoW im alten Azeroth.

Gesucht wird eine glaubwürdige Fortsetzung des ursprünglichen Spiels.

Neue Gebiete, Quests, Dungeons und Schlachtzüge sollen Azeroth vergrößern.

Klassen sollen besser funktionieren, aber ihre Identität behalten.

Das Leveln soll relevant bleiben.

Alte Inhalte sollen weiterhin einen Wert besitzen.

Komfort ist erlaubt, solange er die Welt nicht ersetzt.

Das klingt auf den ersten Blick nach einem einfachen Mittelweg.

In Wirklichkeit ist es wahrscheinlich die schwierigste Version von World of Warcraft, die Blizzard entwickeln könnte.

Classic+ muss neu genug sein, um wieder überrascht zu werden, und vertraut genug, damit es sich nach Hause anfühlt.


Als Nächstes: Warum wir glauben, dass WoW Classic+ kommt