WoW Forever verspricht langfristigen Fortschritt auf Stufe 60, ohne alte Inhalte mit jeder neuen Raidstufe vollständig zu entwerten. Ein neues Entwicklerinterview zeigt jedoch: Rein horizontal wird das System nicht. Blizzard plant weiterhin kleinere Machtzuwächse und verbindet sie mit spezialisierter Ausrüstung für bestimmte Gegner und Gebiete.
Kurz zusammengefasst
- WoW Forever bleibt im Kern teilweise vertikal: Neue Raidstufen dürfen Charaktere stärker machen.
- Die Unterschiede sollen kleiner ausfallen als zwischen späteren Vanilla-Raidstufen.
- Spezielle Effekte richten sich gegen bestimmte Kreaturentypen oder funktionieren in bestimmten Biomen.
- Ein blaues Item kann für einen konkreten Zweck besser sein als ein episches.
- Ältere Raids sollen dadurch auch Jahre später interessante Beute enthalten.
WoW bleibt ein Spiel über stärker werdende Charaktere
Senior Game Designer Josh Greenfield beschreibt World of Warcraft im Interview mit MMORPG.com weiterhin als Spiel mit vertikalem Fortschritt. Das Machtgefühl, nach einem neuen Raid stärker zu werden, soll nicht verschwinden. Die Bezeichnung „horizontal“ bedeutet deshalb nicht, dass jede zukünftige Belohnung exakt auf demselben Leistungsniveau bleibt.
Blizzard will stattdessen die Sprünge verkleinern. Greenfield verweist auf das ursprüngliche WoW, in dem einzelne Gegenstände aus älteren Raids auch später wertvoll blieben. Erst Richtung Naxxramas wurde die Ausrüstung immer stärker optimiert und verdrängte einen größeren Teil der vorherigen Beute.
Spezialisierung statt einer einzigen BiS-Liste
Ein zweiter Hebel sind situationsabhängige Effekte. Greenfield spricht von Hunderten solcher Effekte, die Gegenstände nicht überall gleich stark machen. Manche Ausrüstung könnte zusätzlichen Schaden gegen Drachen gewähren, andere in bestimmten Landschaften oder bei besonderen Aufgaben Vorteile bieten.
Als Beispiel nennt der Entwickler ein ungewöhnliches Kleidungsstück, das die Zeit für Wiederbelebungszauber verkürzt. Ein solcher Gegenstand ist kein pauschales Schadensupgrade, kann in einer konkreten Situation aber wertvoller sein als Ausrüstung mit höherer Seltenheit.
Blau kann für einen Zweck besser als episch sein
Blizzard möchte die Farbe eines Gegenstands wieder stärker mit Seltenheit und Prestige verbinden. Gleichzeitig schließt das Team ausdrücklich nicht aus, dass ein blaues Item für einen bestimmten Zweck besser als ein episches ist. Damit gäbe es nicht mehr nur eine lineare Leiter aus immer höheren Zahlen.
Für Spieler entsteht daraus eine Sammlung verschiedener Werkzeuge: ein Set für Drachen, ein anderes für Feuergebiete und vielleicht ein drittes für Heilung, Reisen oder Wiederbelebung. Das schafft mehr Gründe, Dungeons und ältere Raidstufen erneut zu besuchen.
So sollen alte Raids relevant bleiben
Der entscheidende Test kommt erst nach mehreren Inhaltsstufen. Wenn ein zwei Jahre alter Raid noch das beste Schmuckstück gegen einen bestimmten Gegnertyp enthält, bleibt er für neue und erfahrene Spieler interessant. Genau dieses Verhalten will Blizzard fördern, ohne jede neue Veröffentlichung zu einem vollständigen Ausrüstungsreset zu machen.
Dazu passt, dass der Geschmolzene Kern erst später öffnet und die neue Raidfolge zunächst mehr Platz erhält. Forever soll langfristig wachsen, statt nach einer kurzen Saison wieder ersetzt zu werden.
Mehr Ausrüstung braucht mehr Platz
Viele spezialisierte Gegenstände bringen ein praktisches Problem mit: Spieler müssen sie aufbewahren. Greenfield stellte deshalb eine deutlich größere Standardbank in Aussicht und nannte im Gespräch ungefähr 96 Plätze, kennzeichnete diese Zahl aber selbst noch nicht als endgültig. Die Taschen beginnen dagegen zunächst näher am ursprünglichen WoW.
Weitere Lagerlösungen sind für die Zukunft denkbar, aber zum Start noch nicht angekündigt. Blizzard muss hier einen Mittelweg finden: Gegenstände sollen bedeutsam bleiben, ohne dass Inventarverwaltung zur eigentlichen Endgame-Herausforderung wird.
Unsere Einordnung
Horizontal mit vertikalem Kern: Forever schafft die klassische Machtsteigerung nicht ab. Der entscheidende Unterschied soll darin liegen, wie klein die Sprünge bleiben und wie viele ältere Gegenstände ihren besonderen Zweck behalten. Ob das funktioniert, entscheidet nicht die erste, sondern die dritte oder vierte Raidstufe.
Was bleibt offen?
- Wie groß fallen die Machtzuwächse zwischen den Raidstufen tatsächlich aus?
- Wie viele spezialisierte Sets erwartet Blizzard pro Klasse?
- Werden alte Gegenstände später angepasst, wenn sie zu stark oder verpflichtend werden?
- Welche Lagerlösung ergänzt die größere Bank nach dem Start?
Der größere Systemrahmen: Unsere Deep-Dive-Auswertung zu Camping, Legacy, Klassen und Berufen zeigt, wie Blizzard langfristigen Fortschritt auch außerhalb von Ausrüstung aufbauen will.
Aktueller Prüfstand: Das offizielle Live-Q&A lief am 17. September. Zum Redaktionsschluss lag noch kein offizielles schriftliches Transkript vor; unbestätigte Live-Zusammenfassungen übernehmen wir deshalb nicht als neuen Faktenstand.
Quellen
Geprüft am 17. September 2026.